Weltraummission Artemis II endet nach Flug zum Mond und sicherer Rückkehr auf die Erde

Am Samstagfrüh um 02:07 Uhr deutscher Zeit (Ortszeit: Freitagabend 17:07) fielen das NASA-Raumschiff Orion mit seinen vier Astronauten vor der Küste von San Diego in den Pazifik. Damit endete die Artemis-II-Mission, der erste bemannte Flug in die Nähe des Monds seit der Apollo-17-Mission im Dezember 1972. Bergungsteams der NASA und der US Navy bargen die Besatzung aus der Kapsel und brachten sie per Hubschrauber zum US-Marineschiff John P. Murtha, wo medizinische Nachuntersuchungen gemacht wurden.

Die Besatzung – aus NASA-Astronaut Reid Wiseman (Kommandant), Victor Glover (Pilot), Christina Koch (Missionsspezialistin) und Jeremy Hansen von der kanadischen Raumfahrtbehörde (Missionsspezialist) – startete am 1. April an Bord der Rakete Space Launch System vom Kennedy Space Center in Florida. Innerhalb von gut neun Tagen flog das Orion-Raumschiff mit dem Namen Integrity am Mond vorbei, näherte sich dabei am 6. April der Oberfläche bis auf 6.545 Kilometer, bevor es auf einer Flugbahn von mehr als 1,1 Millionen Kilometern zur Erde zurückkehrte.

Bild aus einem Video der NASA: Landung der Orion-Kapsel im Pazifik nach der Artemis-II-Mission, 10. April 2026 [AP Photo/NASA]

Die letzten Phasen der Mission umfassten eine dritte Zündung zur Flugbahnkorrektur, die Trennung des Besatzungsmoduls vom europäischen Servicemodul und ein letztes 18-sekündiges Justiermanöver, um den Winkel der Kapsel für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre optimal einzustellen. Darauf folgte ein sechsminütiger Ausfall der Kommunikation, während die „Integrity“ mit einer Anfangsgeschwindigkeit von etwa 38.400 km/h durch die Erdatmosphäre raste und eine Hülle aus glühendem Plasma um das Raumschiff herum erzeugte, die jegliche Telemetrie zur Missionskontrolle unterbrach.

Die vier Astronauten waren Kräften ausgesetzt, die dem 3,9-Fachen der Erdgravitation entsprachen, und die Temperaturen am Hitzeschild erreichten fast 1.650 Grad Celsius. Danach befanden sie sich kurzzeitig im freien Fall, bevor sie die Fallschirme des Raumschiffs öffneten und mit relativ sanften 30 km/h im Pazifik landeten.

Nach den vorgegebenen Parametern war die Mission ein Erfolg. Erste ärztliche Berichte deuten darauf hin, dass die Astronauten bei guter Gesundheit sind und bald wieder an Land sein werden. Die verschiedenen wissenschaftlichen Experimente, bei denen es größtenteils um die Auswirkung von Strahlung auf den Menschen jenseits der erdnahen Umlaufbahn ging, wurden abgeschlossen und werden in den kommenden Monaten sorgfältiger untersucht, um in weiteren Missionen eingesetzt zu werden. Ein internationales Team aus Tausenden von Ingenieuren, Wissenschaftlern und anderen Mitarbeitern der NASA und ihrer Vertragspartner hat in den vergangenen Monaten und hauptsächlich den letzten zehn Tagen maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen – von der Entwicklung, dem Bau und den Tests des Raumschiffs bis hin zu dessen Betrieb und der Kommunikation mit ihm.

Doch die Artemis-II-Mission fand weitgehend im Anbetracht der tödlichen Krise des US-Kapitalismus statt. Durch den Krieg der Trump-Regierung gegen den Iran, der jetzt in die fünfte Woche geht, wurden Tausende getötet, historische Stätten zerstört, die Preise für Waren und Treibstoff in die Höhe getrieben und die Welt an den Rand eines umfassenderen Konflikts gebracht. Am 8. April, als sich das Orion-Raumschiff auf dem Rückflug befand, drohte Vizepräsident JD Vance, die USA verfügten über Mittel in ihrem „Werkzeugkasten“, für deren Einsatz sie sich „bisher“ noch nicht entschieden haben, was stark auf einen möglichen Einsatz von Atomwaffen hindeutet. Einen Tag später stieß Trump die völkermörderische Drohung aus: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen.“ Die derzeitige zweiwöchige „Waffenruhe“ wurde fast umgehend durch einen mörderischen Angriff Israels auf den Libanon gebrochen, der bisher über 300 Todesopfer gefordert hat.

Selbst die bürgerliche Presse war gezwungen, diesen Zusammenhang einzuräumen. Philip Kennicott schrieb während der Mission in der Washington Post, die Artemis II fände „ohne die große Inszenierung oder die pathetische Rhetorik“ statt, die für die Apollo-Missionen charakteristisch war, während die Welt zusah, wie der Präsident „in der Sprache von Völkermord und Apokalypse ein Land bedrohte, das keine unmittelbare Gefahr für die Vereinigten Staaten darstellte“. Kennicott kam zu dem Schluss, dass sich Artemis II „wie ein Echo einer vergangenen Welt“ anfühlte, während Trump damit drohte, „ein ganzes Volk in die Steinzeit zurückzuversetzen“.

Die Mission wurde von Anfang in den Kontext geopolitischer Konkurrenz gestellt, vor allem mit China. Der milliardenschwere NASA-Chef Jared Isaacman, der von Trump eingesetzt wurde, war persönlich bei der Bergung der Astronauten aus dem Meer durch die Marine anwesend. Er erklärte hinterher, die USA seien „wieder im Geschäft, Astronauten auf den Mond zu schicken“. Und obwohl Russland und China von künftigen US-Missionen ausdrücklich ausgeschlossen sind, behauptete Isaacman zynisch, die Mission solle „Botschafter der Menschheit zu den Sternen“ senden.

Trump selbst hatte in einem früheren Gespräch mit den Astronauten behauptet, Amerika sei, zum Teil wegen Artemis II, „derzeit das angesagteste Land der Welt. (...) Amerika wird im Weltraum unübertroffen sein.“

Der nationalistische Rahmen steht in Zusammenhang mit dem allgemeinen Kontext der Weltraumpolitik der USA. Während der Amtszeiten von Bush, Obama, und in Trumps erster Amtszeit hat die nationale Sicherheitspolitik der USA die Vorherrschaft im Weltraum als strategische Notwendigkeit zur Eindämmung der aufstrebenden Macht China dargestellt.

In Trumps erster Amtszeit beinhaltete dies den Aufbau der US Space Force im Jahr 2019 und die Erklärung des Weltraums zu einem „potenziellen Schauplatz“ der modernen Kriegsführung. Daraus ging jetzt Trumps National Space Policy hervor, deren Kernstück der Plan ist, eine dauerhafte Basis auf der Mondoberfläche zu errichten.

Der Plan für die Mondbasis soll in drei Phasen ablaufen. Die erste nutzt die Initiative Commercial Lunar Payload Services (CLPS, kommerzielle Mondnutzlast-Initiative) und ein Mondgeländefahrzeug-(LTV)-Programm zum Bau von Infrastruktur auf der Oberfläche. In der zweiten Phase beginnt der Aufbau von „teilweise bewohnbaren“ Einrichtungen, wie die NASA sie nennt, und integriert internationale Beiträge, darunter einen komprimierten Rover der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Die dritte Phase sieht eine dauerhafte menschliche Präsenz vor, unterstützt durch Frachtlandesysteme, die 38 Tonnen Nutzlast pro Jahr transportieren können.

Zu diesem Zweck hat die NASA das Gateway-Projekt, die Raumstation in der Mondumlaufbahn, die bisher das Kernstück des Artemis-Programms bildete, offiziell aufgegeben. Als Grund nannte sie Verzögerungen, Kostenüberschreitungen, Probleme mit Korrosion bei den wichtigsten Modulen und die Tatsache, dass die am System für die Landung von Menschen beteiligten Vertragspartner – SpaceX des faschistischen Milliardärs Elon Musk und Blue Origin des Amazon-Chefs Jeff Bezos – die Station nicht für die Landung auf der Mondoberfläche benötigen. Die Hardware der Raumstation Gateway soll, wo möglich, wiederverwendet werden, der Rest wird eingelagert.

Wie die NASA auf der jüngsten Veranstaltung „Ignition“ dargelegt hat, liegt der Fokus darauf, Chinas Mondprogramm entgegenzuwirken. Dieses umfasst die zahlreichen Chang'e-Sonden, die Kommunikationssatelliten des Typs Queqiao und Pläne für eine Forschungsstation am Südpol des Mondes. Wassereis, das in Teilen der dauerhaft im Schatten gelegenen Krater existiert, ist die begehrteste Ressource, um die es bei den konkurrierenden nationalen Interessen geht. Zugang zu diesem Eis würde eine ortsnahe Produktion von Raketentreibstoff und Wasser zum Trinken, für Körperpflege und Hygiene ermöglichen. Sowohl die USA als auch China sind entschlossen, noch vor den anderen dort Fuß zu fassen.

Zudem geht es bei der gesamten National Space Policy nicht um wissenschaftliche Forschung, sondern um Milliarden Dollar. Sie sollen „Geschäftspartnern“ zukommen – vor allem SpaceX, aber auch Blue Origin und anderen – die im Zentrum jeder Phase des Baus der Mondbasis stehen. Die NASA wird keine Führungsrolle bei der Entwicklung der noch gar nicht existierenden neuen Technologien zum Aufbau der Basis übernehmen, sondern lediglich ein „Kunde“ auf dem Markt sein, den die Behörde selbst schaffen will.

Mit anderen Worten, das ultimative Ziel ist die Ausdehnung des Kapitalismus und des US-Imperialismus auf den Mond und damit die Militarisierung des gesamten 386.000 Kilometer langen Korridors. Dabei dient als Rechtfertigung die Notwendigkeit, Raumschiffe auf dem Weg zum Aufbau einer Mondbasis zu schützen. Solche Pläne sehen ausdrücklich die Stationierung von Atomreaktoren im Weltraum vor (was gegen die Prinzipien des UN-Ausschusses zur friedlichen Nutzung des Weltraums verstößt), sowie unweigerlich auch von Atomwaffen.

Die Logik des modernen Wettlaufs ins All macht deutlich, dass der Kampf für eine fortschrittliche Expansion der Menschheit in den Weltraum untrennbar mit dem Kampf gegen Krieg und Kapitalismus als Ganzes verbunden ist. Eine echte wissenschaftliche Erforschung des Mondes und darüber hinaus ist unmöglich, solange die Raumfahrt dem privaten Profitstreben und militärischen Konflikten untergeordnet ist. Solche Bestrebungen werden nur erfolgreich sein, wenn die internationale Arbeiterklasse die derzeitige veraltete Gesellschaftsordnung beseitigt und eine Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage aufgebaut haben wird.

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