Das US-Militär gab am Montag bekannt, man werde ab sofort alle Schiffe blockieren, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Dies bedeutet eine erhebliche Eskalation des US-Kriegs gegen den Iran. Damit ist die vor sechs Tagen vom pakistanischen Ministerpräsidenten Shehbaz Sharif verkündete Waffenruhe faktisch durch die Vereinigten Staaten aufgehoben worden.
US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntag auf Truth Social, die Marine werde „damit beginnen, alle Schiffe zu blockieren, die versuchen, in die Straße von Hormus einzufahren oder sie zu verlassen“. Zwei Lenkwaffenzerstörer sind am Samstag in die Meerenge eingelaufen, und das Wall Street Journal berichtet, dass nun 15 US-Kriegsschiffe zur Durchsetzung der Blockade im Einsatz sind.
Die Blockade ist eine Kriegshandlung und ein Akt internationaler Piraterie. Die World Socialist Web Site verurteilt diese kriminelle Aktion, die sich gegen den Iran und gegen die Arbeiterklasse der ganzen Welt richtet. Sie wird den Preis dafür in Form von explodierenden Energiekosten, Nahrungsmittelknappheit und der allgegenwärtigen Gefahr einer größeren militärischen Eskalation zahlen.
Der Waffenstillstand hat sich als Gelegenheit erwiesen, um – in Trumps eigenen Worten - für die nächste Phase des Krieges „nachzuladen“. Jede Waffenruhe, die Trump im Nahen Osten verkündet hat – von Gaza im Januar 2025 über den Iran im Juni 2025 bis hin zum Waffenstillstand im Iran am 7. April (auf den wenige Stunden später Israels Angriff auf das Zentrum von Beirut folgte, bei dem mehr als 250 Menschen ums Leben kamen) – bedeutete nur eine Pause, um sich für den nächsten Angriff neu zu formieren.
Die Kontrolle über die Straße von Hormus – und damit über die Ölförderung und -distribution des Iran und der gesamten Persischen Golfregion – war von Anfang an ein zentrales strategisches Ziel des Krieges.
Seit Kriegsbeginn ist der Schiffsverkehr durch die Meerenge zusammengebrochen. Das Transitvolumen ist gegenüber dem Vorkriegsniveau um mehr als 90 Prozent gesunken. Der verbleibende Verkehr wird von der iranischen Schattenflotte und griechischen Tankern dominiert, die Rohöl nach China transportieren. China ist der größte Handelspartner des Iran und nimmt 80 bis 90 Prozent der iranischen Ölexporte ab. Der Iran gewährt weiterhin Durchfahrt für Schiffe, die zu seinen verbündeten Handelspartnern, vor allem nach China, unterwegs sind.
Jedes Schiff, das nun versucht, in die Meerenge einzufahren, um einen iranischen Hafen zu erreichen, tut dies ohne amerikanische Genehmigung, was die Möglichkeit eines physischen Angriffs auf jedes Land eröffnet, dessen Schiffe mit dem Iran Handel treiben. Der chinesische Verteidigungsminister Dong Jun erklärte am Montag: „Unsere Schiffe fahren in die Gewässer der Straße von Hormus hinein und wieder hinaus. Wir haben Handels- und Energieabkommen mit dem Iran. Wir werden diese respektieren und einhalten und erwarten, dass sich andere nicht in unsere Angelegenheiten einmischen.“
Die Blockade der Straße von Hormus ist in der Praxis ebenso sehr ein Akt der Wirtschaftskriegsführung gegen China wie gegen den Iran. Fast die Hälfte des chinesischen Öls und mehr als ein Drittel seines Flüssigerdgases fließt durch die Straße von Hormus. Die Blockade verschafft den USA Einfluss auf die Energieversorgung ihres Hauptkonkurrenten sowie auf die ihrer „Verbündeten“ – Japan, Südkorea und die Staaten der Europäischen Union, die von denselben Lieferungen abhängig sind.
Trump deutete bei einer Pressekonferenz am Montag die Denkweise der US-Militärstrategen an: „Wir brauchen diesen Handel nicht. Wir haben unser eigenes Öl und Gas, viel mehr, als wir brauchen. … Wir brauchen es also nicht, aber die Welt braucht es, und viele Schiffe sind gerade jetzt, während wir hier sprechen, auf dem Weg in unser Land, um sich zu beladen.“
Die Blockade ist Teil einer umfassenderen US-Kampagne zur Eroberung der strategischen Engpässe der Welt – der Straße von Hormus, des Panamakanals, der Zufahrten nach Grönland. Der amerikanische Imperialismus befindet sich im langfristigen wirtschaftlichen Niedergang. Die USA versuchen, diesen Niedergang durch die militärische Beherrschung globaler Handelsrouten auszugleichen, indem sie sich die Wasserstraßen und Rohstoffe der Welt sichern und sie den Rivalen, vor allem China, vorenthalten.
Im Dezember 2025 beschlagnahmten US-Streitkräfte vor der Küste Venezuelas einen für China bestimmten Öltanker, der 1,8 Millionen Barrel venezolanisches Rohöl geladen hatte. Die Blockade von Hormus dehnt diesen Präzedenzfall auf den Persischen Golf aus. Sie erhöht zudem die unmittelbare Gefahr einer militärischen Konfrontation mit China, falls US-Kriegsschiffe versuchen sollten, für China bestimmte Tanker zur Umkehr zu zwingen.
Die wirtschaftlichen Folgen des verbrecherischen Krieges, den der amerikanische Imperialismus gegen den Iran führt, sind bereits jetzt katastrophal. Schon vor der Blockade hat die weitreichende Unterbrechung des Transits durch die Straße von Hormus zu dem geführt, was die Internationale Energieagentur als die schlimmste Ölkrise der Geschichte bezeichnet hat, welche die von 1979 noch übertrifft. Der Ölpreis liegt bei über 100 Dollar pro Barrel und mehr als 600 Schiffe sitzen im Golf fest. Goldman Sachs hat die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA auf 30 Prozent erhöht.
Ein Drittel der weltweiten Düngemittelversorgung wird normalerweise durch die Meerenge transportiert. Der Krieg hat nicht nur den unmittelbaren Handel unterbrochen, sondern wird auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Ernteerträge der nächsten Saison haben – geringere Ernten in Afrika, Südasien und Lateinamerika, Schocks bei den Lebensmittelpreisen, die auch Länder erreichen, die kein direktes Interesse am Golf haben. Hunderte Millionen Menschen sind von Ernährungsunsicherheit bedroht, und zig Millionen Menschen könnten sterben. Eine weltweite Hungersnot ist eine reale Möglichkeit.
Hinter dem Krieg steht der Anspruch auf Weltherrschaft des US-Imperialismus, doch die tatsächliche Kriegsführung ist zunehmend von verzweifelter Improvisation geprägt. Am 28. Februar begannen die Vereinigten Staaten den Krieg und töteten den Obersten Führer im Iran Ali Khamenei sowie Dutzende hochrangiger iranischer Staatsvertreter. Trump forderte die Iraner auf, sich gegen ihre Regierung zu erheben, doch sie taten es nicht. Die darauffolgenden Bombardements zerstörte die iranische Telekommunikation und machte Stadtteile dem Erdboden gleich, doch der Iran kapitulierte nicht. Weitere Attentate auf iranische Führer im März brachten die Regierung nicht zu Fall. Die Blockade ist der nächste Schritt.
US-Kriegsschiffe operieren nun auf engstem Raum in einer Wasserstraße, die an ihrer engsten Stelle 33 Kilometer breit ist und von iranischen Raketenbatterien, Küstenverteidigungsanlagen und tausenden Seeminen flankiert wird. Trump sagte am Montag, dass alle iranischen Schiffe, die sich der Blockade nähern, „sofort eliminiert“ würden.
Der Verlust eines Zerstörers oder ein Ereignis mit zahlreichen Opfern würde die Forderungen innerhalb des politischen Establishments der USA nach einer Bodeninvasion verstärken. Dies betrifft insbesondere Pläne zur Einnahme der Insel Kharg, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. US-Marines und Truppen der 82. Luftlandedivision sind bereits stationiert, und mehr als 50.000 US-Soldaten befinden sich im Einsatzgebiet. Seit dem 28. Februar sind dreizehn US-Soldaten getötet worden.
Das Trump-Regime handelt mit erschreckender Rücksichtslosigkeit. Er hat offen erklärt, dass die Vereinigten Staaten sich das iranische Öl aneignen werden – eine Plünderungserklärung, die frühere US-Regierungen hinter dem Sprachgebrauch von Sanktionen und internationalem Recht versteckt hätten. Die Methoden der kriminellen Unterwelt sind nun offizielle Staatspolitik.
Das politische Establishment hat grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden. Die Redaktion der New York Times bezeichnet Trumps Verhalten als „eklatante Inkompetenz“ und fordert ihn auf, „den Kongress einzubeziehen und Hilfe bei Amerikas Verbündeten zu suchen“ – ein Aufruf zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit bei der Durchführung der nächsten Kriegsphase. Das Wall Street Journal bezeichnete Trumps Siegeserklärung als verfrüht und warnt, dass „die Arbeit noch lange nicht getan ist“.
Der Senator der Demokratischen Partei Tim Kaine sagte gegenüber ABC Sunday, der Iran sei „eine regionale Bedrohung“ und „wir müssen sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffe erhält“. Als Trump vor einer Woche den „Waffenstillstand“ verkündete, beeilten sich die Demokraten, die Waffenruhe zu kritisieren – mit der Begründung, Trump überlasse die Kontrolle über die Straße von Hormus den Händen des Irans. Die Demokraten teilen die strategischen Ziele der Trump-Regierung und haben lediglich Einwände gegen die Art der Umsetzung.
Wenn jeder Flügel des amerikanischen politischen Establishments den Krieg befürwortet, kann Widerstand dagegen nur von außerhalb des Establishments kommen. Die Arbeiterklasse muss sich auf Basis einer eigenen unabhängigen politischen Mobilisierung gegen die Blockade und den Krieg insgesamt stellen. Der Krieg wird durch einen beispiellosen Angriff auf die Sozialprogramme finanziert, von denen das Leben der arbeitenden Bevölkerung abhängt. Bei einem Mittagessen im Weißen Haus am 1. April sagte Trump, die Regierung könne sich Medicare, Medicaid und andere Sozialprogramme nicht leisten, weil sie Kriege führe.
Die Arbeiterklasse soll den Krieg nicht nur durch Kürzungen bei unverzichtbaren Programmen finanzieren, sondern auch in diesem Krieg kämpfen. Die automatische Wehrpflichtregistrierung für alle Männer im Alter von 18 bis 26 Jahren tritt im Dezember 2026 in Kraft und wurde von Trump als Teil des National Defense Authorization Act von 2026 unterzeichnet. Die Kinder der Arbeiter werden auf Zerstörern und an den Stränden des Persischen Golfs in den Tod geschickt – um Chinas Energieversorgung zu stören und die Ressourcen für den amerikanischen Imperialismus zu sichern.
Der Kampf gegen den Krieg ist untrennbar verbunden mit dem Kampf gegen die Zerstörung sozialstaatlicher Programme, gegen die Wehrpflicht und gegen die Errichtung einer Diktatur. Der Kampf zur Verteidigung von Arbeitsplätzen, Löhnen und Lebensstandard muss vereint werden mit dem Kampf gegen den imperialistischen Krieg und gegen die eigentliche Ursache dieser sozialen Missstände: das kapitalistische System.
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