Der geplante Börsengang von Elon Musks Unternehmen SpaceX und die Ausgabe der ersten Aktien verdeutlicht anschaulich den Prozess, der im Herzen der amerikanischen Wirtschaft und ihres Finanzsystems aufläuft.
Das Ziel des Börsengangs, für den Musk letzte Woche eine Broschüre mit 200.000 Wörtern veröffentlichte, besteht darin, noch mehr Reichtum für die Oligarchie abzuschöpfen, zu deren führenden Vertretern Musk zählt.
Der Börsengang, der laut Berichten für den 12. Juni geplant ist und der der größte der Geschichte werden könnte, würde Musk vom ohnehin schon reichsten Mann der Welt (aktuell 500 Milliarden Dollar Vermögen) zum ersten Billionär der Welt machen.
Der Börsengang wird von den größten Namen im US-Finanzsystem unterstützt. Mehr als zwanzig Finanzinstitute, darunter Goldman Sachs, das die lukrative „Führungsposition“ eingenommen hat, Morgan Stanley, Citigroup, JP Morgan und BofA Securities, haben den Börsengang unterzeichnet.
Wenn alles wie geplant verläuft, wird SpaceX mit der Erstausgabe etwa 80 Milliarden Dollar einnehmen - mehr als dreimal soviel wie der bisherige Rekordwert von 25,6 Milliarden Dollar, den der saudische Ölkonzern Aramco 2019 bei seinem Börsengang aufgestellt hatte.
Der Börsengang von SpaceX ist ausschließlich spekulativ und basiert nicht auf dem, was Musks Unternehmen heute leisten – tatsächlich verzeichnen sie in vielen Bereichen beträchtliche Verluste. Der Börsengang beruht vielmehr auf Musks Behauptungen, was seine Unternehmen in Zukunft einnehmen werden.
Musk stellte eine „Vision“ vom Aufbruch in den fernen Weltraum vor, wobei er das Vermächtnis berühmter Blender des amerikanischen Kapitalismus – man denke etwa an den Finanzier Jay Gould aus der Zeit des Eisenbahnbooms der 1850er Jahre – praktisch auf die Spitze trieb.
So heißt es in der SpaceX-Broschüre: „Unsere Mission ist es, die Systeme und Technologien herzustellen, die notwendig sind, um multiplanetares Leben zu schaffen, die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins in die Sterne hinaus zu senden.“
Die Phrase „Licht des Bewusstseins“ schien es Musk besonders angetan zu haben, denn sie taucht in der Broschüre Dutzende Male auf.
Doch die Tatsache, dass dies für bare Münze genommen und mit großen Summen von führenden Finanzinstituten unterstützt wurde, spricht Bände über den Zustand des US-Finanzsystems und seine räuberische Gier, aus immer spekulativeren Geschäften Kapital zu schlagen.
Musk behauptete, er peile als Ziel einen Markt für SpaceX im Wert von 28,5 Billionen Dollar an, etwa 90 Prozent des BIP der USA, wovon 26,5 Billionen auf KI entfallen.
Die Wirtschaftspresse veröffentlichte einige kritische Kommentare. Das Wall Street Journal wies in einem Artikel mit dem Titel „SpaceX-Börsengang setzt darauf, dass die Schwerkraft auf Elon Musk nicht wirkt“ darauf hin, dass es beim Börsengang von SpaceX „so viele Warnsignale“ gebe, „dass sie vergleichbare Börsengänge verhindert hätten.“
Die Financial Times (FT) wies auf den spekulativen Charakter des Börsengangs hin und erklärte, die Finanzdaten von SpaceX seien heute „nutzlos, wenn man herausfinden will, was das Unternehmen wert ist.“ Mit einer Bewertung von zwischen 1,75 und 2 Billionen Dollar wäre es das siebtgrößte Unternehmen am Aktienmarkt, doch sein Umsatz belaufe sich auf lediglich 19 Milliarden Dollar, was dem 200. Platz entspräche.
Dies hat jedoch nicht dazu geführt, dass sich Geldgeber zurückgezogen hätten – schließlich will niemand etwas verpassen.
Letztes Jahr verzeichnete SpaceX einen Umsatz von 18,6 Milliarden Dollar, jedoch einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal dieses Jahres summierten sich die Verkäufe auf 4,7 Milliarden. Gleichzeitig beliefen sich die Verluste auf 4,3 Milliarden Dollar. Die Vermögenswerte des Unternehmens summierten sich auf 102 Milliarden Dollar bei Schulden von 60,5 Milliarden Dollar.
Doch all dies konnte die Begeisterung des spekulativen Finanzkapitals nicht im geringsten dämpfen.
Ruth Foxe-Blader, eine leitende Teilhaberin beim amerikanischen Risikokapitalunternehmen Citrine Venture, erklärte gegenüber der BBC, es sei „kein Schock, dass ein solches Projekt Verluste macht, sogar beim Börsengang.“ Dieser sei „äußerst aufregend.“
Sie erklärte begeistert: „SpaceX ist einfach ein absolut umfangreiches enormes Projekt mit so vielen Vorzügen und Eigenschaften, die wirklich in die Zukunft weisen.“
Die Struktur des Unternehmens zielt darauf ab, Musk nicht nur enormen Reichtum, sondern auch ein beispielloses Maß an Kontrolle über dessen Geschäftstätigkeit zu verschaffen. Er wird eine Sonderklasse von Aktien besitzen, die ihm 85 Prozent der Stimmanteile verleihen. Das geht weit über die Kontrollrechte von Gründern hinaus, wie sie bereits in vielen Tech-Unternehmen existieren.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Die FT veröffentlichte einen Kommentar von Sujeet Indap mit dem Titel „SpaceX wird die Normen der Unternehmensführung auf den Kopf stellen“. Darin verweist der Autor auf eine Erklärung von drei großen staatlichen Rentenfonds, die auf den Finanzmärkten eine immer wichtigere Rolle spielen.
Sie charakterisierten die Führungsstruktur von SpaceX als „die managementfreundlichste Führungsstruktur, die jemals in diesem Ausmaß an den US-Aktienmarkt gebracht wurde.“
Gemäß diesen Regeln kann Musk die Mehrheit des Vorstands ernennen und selbst nicht ohne seine Erlaubnis als Vorstandschef abgesetzt werden. Zudem wird es für einfache Aktionäre sehr schwer, juristisch gegen das Unternehmen vorzugehen. Mit anderen Worten: SpaceX wird zwar als öffentliches Unternehmen am NASDAQ aufgeführt, sodass große Investoren und börsennotierte Fonds seine Aktien kaufen können, allerdings wird es faktisch Musks privates Lehensgut bleiben.
Wenn der Börsengang von SpaceX wie geplant abläuft, werden darauf vermutlich OpenAI und Athropic sowie weitere Firmen folgen. Dies hat zu Warnungen geführt, dass der Kapitalfluss in diese Unternehmen den Markt auslaugen könnte, was zu einem Abschwung in anderen Bereichen führen könnte. Der Kolumnist Tej Parikh von der Financial Times erklärte: „Die Geschichte deutet darauf hin, dass der massive Anstieg der Börsengänge tatsächlich der Anfang vom Ende der Rally werden könnte.“
Es wird bereits erwartet, dass der Anteil der Kapitalausgaben der so genannten „Hyperscaler“ am BIP denjenigen beim Aufbau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert übertreffen wird. Laut einigen Schätzungen entfallen auf die Technologieunternehmen 93 Prozent des US-Wirtschaftswachstums. Die erste Phase wurde weitgehend durch Festkapital finanziert, doch angesichts der Anzeichen der Anleihenmärkte für eine deutliche Verschärfung der finanziellen Bedingungen stützen sie sich zunehmend auf Schulden.
Das Phänomen SpaceX illustriert nicht nur, wie die amerikanische Wirtschaft und das Finanzsystem zu einer Maschinerie geworden sind, die dazu dient, einer winzigen Finanzoligarchie Reichtum zuzuschanzen, sondern zeigt auch die immensen Veränderungen der politischen Struktur.
In diesem Bereich seien enorme Veränderungen erforderlich, erklärte der marxistische Ökonom Rudolf Hilferding im Jahr 1910, als der Aufstieg des Finanzkapitals begann. Der liberalen Demokratie stehe es enorm feindlich gegenüber. „Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft“, schrieb Hilferding. Als Ideal erscheine es jetzt, „der eigenen Nation die Herrschaft über die Welt zu sichern, ein Streben, ebenso unbegrenzt wie das Profitstreben des Kapitals, dem es entsprang“.
In Musks Fall wird nun auch der Weltraum zum Objekt dieses Strebens.
Politisch ist Musk ein Faschist und wild entschlossen, jeden Widerstand gegen seine spekulative Gewinnakkumulation zu unterdrücken, vor allem Widerstand aus der Arbeiterklasse, die er – wie seine Geschichte zeigt – als etwas ansieht, das mit allen Mitteln unterdrückt werden muss. Doch kommt in seiner Person ein gesellschaftlicher Prozess zum Ausdruck.
Die Titanen des Finanzkapitals versorgen ihn mit Geld, während sie gleichzeitig dem faschistischen Präsidenten Trump als ihrem Anführer die Treue schwören.
