Am 16. Juli veröffentlichte Raymond L. Jensen Jr., ein hochrangiger Funktionär der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW), eine Morddrohung gegen Will Lehman, den sozialistischen Arbeiter bei Mack Trucks und Kandidaten für das Amt des UAW-Vorsitzenden. Bei der Drohung handelte es sich um ein KI-generiertes Bild, das auf Lehmans öffentlicher Facebook-Wahlkampfseite gepostet wurde. Darauf ist Lehman zu sehen, wie er mit einem Seil gefesselt und geknebelt ist, Blut läuft ihm aus dem Mund, und ein maskierter Mann zielt mit einem automatischen Gewehr auf seinen Rücken.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) ruft Arbeiter und alle Verfechter demokratischer Rechte auf: Verurteilt diese Anstiftung zur Gewalt gegen Will Lehman und fordert eine unmissverständliche öffentliche Distanzierung der UAW von diesen Drohungen.
Jensens üble Drohungen sind nicht einfach die Tat eines gestörten Einzelgängers. Jensen ist Organisator im Stab der UAW. Bis vor kurzem war er stellvertretender Leiter der UAW-Region 9, d.h. der Region, zu der Lehman gehört. Laut US-Arbeitsministerium erhielt er im Jahr 2025 eine Gesamtvergütung von rund 202.000 Dollar. Er ist ein prominenter Unterstützer des UAW-Vorsitzenden Shawn Fain, und auf seinem Facebook-Profil ist ein Kampagnenabzeichen mit der Aufschrift „I Support Shawn Fain“ zu sehen.
Lehman ist ein offiziell zugelassener Kandidat für das Amt des UAW-Vorsitzenden und wurde am 18. Juni auf dem 39. Gewerkschaftstag in Detroit nominiert. Er tritt mit einem Wahlprogramm an, das die Abschaffung des Gewerkschaftsapparats, den Aufbau von Aktionskomitees in jedem Werk und die Übertragung der Macht an die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Betrieben fordert. Bei der letzten Wahl im Jahr 2022 erhielt Lehman fast 5.000 Stimmen, obwohl die Wahlbeteiligung vom Apparat systematisch niedrig gehalten wurde und kaum 10 Prozent der UAW-Mitglieder ihre Stimme abgaben.
Am Freitag schickte Lehmans Anwalt Eric Lee einen Brief an das Büro des gerichtlich bestellten UAW-Beauftragten und forderte eine umfassende Untersuchung. Darin heißt es:
Wenn ein hochbezahlter Funktionär der amtierenden Führung, der sich öffentlich mit der Wiederwahlkampagne des Vorsitzenden identifiziert, ein Bild des Gegenkandidaten veröffentlicht, auf dem dieser geknebelt, blutend und mit einer Waffe bedroht gezeigt wird, ist die Botschaft an die UAW-Mitglieder unmissverständlich: Extreme Gewalt gegen Will Lehman wird gefördert und genießt die Billigung der Gewerkschaftsführung.
Nach Bundesrecht ist ein solcher Beitrag eine Straftat. Die Übermittlung einer Drohung, einer anderen Person über das Internet Schaden zuzufügen, ist gemäß 18 U.S.C. § 875(c) ein Verbrechen nach Bundesrecht, das mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft wird, und Gewaltandrohungen sind ebenfalls Straftaten nach Landesrecht. Zudem stellt gemäß 29 U.S.C. § 530 die Anwendung oder Androhung von Gewalt zur Einschüchterung, Nötigung oder Einschränkung eines Gewerkschaftsmitglieds mit dem Ziel, dessen Rechte zu beeinträchtigen, nach Bundesrecht eine Straftat dar.
Am Sonntag reagierte Lehman mit einer Erklärung, in der er warnte: „Wenn eine Drohung dieser Art offen gegen einen Kandidaten für das höchste Amt der Gewerkschaft ausgesprochen werden kann, dann ist kein Arbeiter sicher, der den Apparat in seiner eigenen Ortsgruppe herausfordert.“
Die Drohung ist Teil eines Musters. Vor weniger als einem Monat stellte Neil Barofsky, Ombudsmann für die Aufsicht über die Gewerkschaft auf Bundesebene fest, dass Fain „die Befugnisse seines Amtes unangemessen genutzt“ und damit „seine Autorität missbraucht“ habe. Barofsky dokumentierte ein „wiederkehrendes Muster von Vergeltungsmaßnahmen“, darunter die Entlassung des stellvertretenden Vorsitzenden Rich Boyer aufgrund von Vorwürfen, von denen Fain „wusste, dass sie falsch waren, als er sie erhob“. Nun ermittelt eine Jury gegen Fain.
Der Ombudsmann hat außerdem festgestellt, dass die Führung ein „giftiges Klima der Vergeltung“ geschaffen hat. Fain persönlich habe damit gedroht, jedem, der sich mit seinem engsten Kreis „anlegt“, die „Kehle durchzuschneiden“.
Die lange Geschichte der Gewalt, die von Gewerkschaftsapparaten gegen oppositionelle Basismitglieder ausgeübt wird, ist wohlbekannt. Was die UAW betrifft, so existiert das Büro des Ombudsmanns für die „Aufsicht“ selbst nur wegen der kriminellen Vergangenheit des Apparats. Es wurde 2021 im Rahmen eines Vergleichs mit der Bundesregierung eingerichtet, nachdem eine Korruptionsuntersuchung mehr als ein Dutzend Gewerkschaftsfunktionäre ins Gefängnis gebracht hatte – darunter zwei ehemalige Vorsitzende der UAW – wegen Unterschlagung, Schmiergeldzahlungen und der Annahme von Bestechungsgeldern von den Automobilkonzernen.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees unterstützt die Forderungen, die Lehman in seiner Erklärung vorgebracht hat:
1. Eine umfassende Untersuchung des Postings, die nicht nur Jensens Verhalten, sondern auch Kenntnis, Ermutigung oder Duldung seitens der UAW-Führung umfasst.
2. Eine öffentliche Verurteilung der Drohung durch die UAW in aller Schärfe, eine formelle Entschuldigung gegenüber Lehman sowie eine unmissverständliche öffentliche Erklärung – die an die gesamte Mitgliedschaft weitergeleitet wird – dass die Gewerkschaft Lehmans Recht auf die Durchführung seiner Kampagne anerkennt und uneingeschränkt unterstützt.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
3. Eine unverzügliche öffentliche Erklärung aus dem Büro des Ombudsmanns, in der davor gewarnt wird, dass solche Drohungen nicht toleriert werden, und in der bekannt gegeben wird, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde.
4. Die sofortige Suspendierung von Jensen von seinem Amt ohne Bezüge bis zum Abschluss der Untersuchung, gefolgt von allen angemessenen rechtlichen und disziplinarischen Sanktionen.
5. Weiterleitung der Angelegenheit an das Arbeitsministerium und, sofern erforderlich, an die Strafverfolgungsbehörden des Bundes.
6. Aktive Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Wahl 2026 in der verbleibenden Zeit frei von Einschüchterungen durchgeführt wird.
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees ruft die UAW-Mitglieder und Arbeiter aus allen Branchen, in den USA und weltweit, dazu auf, die Verteidigung von Lehman zu ihrer eigenen Sache zu machen. Wie Lehman erklärte: „Diese Drohung richtet sich nicht nur gegen mich allein. Es ist ein Einschüchterungsversuch, der sich gegen die gesamte Basisopposition richtet.“
Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees ruft außerdem alle linken und progressiven Organisationen dazu auf, diese Drohung kategorisch zu verurteilen.
Zeigt euren Widerstand gegen diese Anstiftung zur Gewalt! Schickt eine E-Mail an die UAW unter feedback@uaw.org und fordert, dass sie die Drohung gegen Lehman öffentlich zurückweist, mit Kopie an die Will-Lehman-Kampagne unter info@willforuawpresident.org.
