Schaeffler vernichtet 3.460 Stellen – die IG Metall liefert die Belegschaft ans Messer

Am 3. November gab die Schaeffler AG den Abbau von 3.460 Arbeitsplätzen in Europa bekannt, davon 2.660 in Deutschland. Bezogen auf die Stammbelegschaft von 31.957 Beschäftigten bedeutet das die Vernichtung von rund neun Prozent der Stellen bis 2028. Rechnet man die aus früheren Programmen und den bereits unterzeichneten 1.800 Altersteilzeitverträgen resultierenden Kürzungen hinzu, schnellt der Anteil auf rund 18 Prozent hoch.

Schaeffler-Stammsitz in Herzogenaurach

Während die Belegschaft ausblutet, kassiert die Eigentümerfamilie ab. Allein für das Geschäftsjahr 2025 flossen satte 224 Millionen Euro Dividende an die Familie Schaeffler. Der Abbau ist kein „Sachzwang“, sondern das Ergebnis hemmungsloser Profitgier der Eigentümer – und die IG Metall ist nicht der Gegner dieses Angriffs, sondern sein williger Vollstrecker.

Der jetzt angekündigte Stellenabbau ist das jüngste Glied einer Kette von Kahlschlägen, die sich über Jahre hinzieht. Im Rahmen des während der Corona-Pandemie aufgelegten „Effizienzprogramms 2020“ vernichtete Schaeffler europaweit 4.400 Stellen, davon 3.300 in Deutschland; die Werke in Steinhagen und Hameln wurden geschlossen.

Zwischen 2021 und 2023 fielen der „Agenda 4 plus One“ weitere 2.000 Arbeitsplätze zum Opfer. Die Fusion mit der Vitesco Technologies Group AG im Jahr 2024 kostete 2.800 Stellen. Erst im November 2024 hatte Schaeffler angekündigt, allein in Deutschland rund 2.800 Arbeitsplätze abzubauen. Nun folgen, wiederum auf dem Rücken der Belegschaft, 3.460 weitere.

Das aktuelle Programm trifft vor allem die Produktion: Rund 50 Prozent der Streichungen entfallen auf die Fertigung, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung, 20 Prozent auf weitere Funktionsbereiche. Betroffen sind 16 Standorte in Europa, fünf davon sollen perspektivisch geschlossen werden – darunter Dortmund mit 430 Beschäftigten und Morbach mit 160, beide in der Sparte Powertrain & Chassis, die Produkte für Verbrennungsmotoren herstellt.

Die Aktivitäten in Berlin (270 Beschäftigte) sollen eingestellt, der Standort Schwalbach aufgegeben werden; ein Großteil der 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln. Weitere Einschnitte sind in Höchstadt, Erlangen, Schweinfurt, Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg sowie an den französischen Standorten Haguenau und Toulouse, in Skalica und Kysuce in der Slowakei und im belgischen Herstal geplant.

Die Stoßrichtung ist unmissverständlich: Der Verbrenner-Bereich wird abgewickelt. Die Konzernleitung und die IG Metall rechtfertigen dies mit der „Transformation“ zur Elektromobilität und mit angeblichen Managementfehlern der Vergangenheit. Doch diese Erzählung ist eine Nebelkerze, die den eigentlichen Charakter des Angriffs verschleiert.

Die Krise der Auto- und Zulieferindustrie ist keine Folge individueller Fehlentscheidungen, sondern Ausdruck der weltweiten Überkapazitäten und des verschärften Konkurrenzkampfs der transnationalen Konzerne, der sich im Handelskrieg zwischen den USA, Europa und China entlädt. Die EU hat Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos verhängt, die USA unter Trump Zölle auf die gesamte Autoindustrie – und die deutschen Konzerne antworten darauf, indem sie die Kosten der Krise skrupellos auf ihre Belegschaften abwälzen.

Schaeffler ist dabei kein Einzelfall. Allein in der Metallindustrie sind seit 2019 350.000 Arbeitsplätze abgebaut worden, und in den nächsten zwei Jahren sollen 300.000 weitere Folgen. Die IG Metall handelt dabei nach dem Motto „Jeder stirbt für sich allein“ und spielt den Sterbehelfer.

Die „Transformation“ dient dabei als bloßer Vorwand. Die Konzerne nutzen den Umbau, um massenhaft Arbeitsplätze zu vernichten und all jene sozialen Rechte und Errungenschaften zu beseitigen, die Generationen von Arbeitern in jahrzehntelangen Kämpfen erstritten haben – Tarifverträge, Arbeitszeitregelungen, Lohnfortzahlung.

Was von der IG Metall als „Zukunftssicherung“ verkauft wird, ist in Wahrheit ein konzertierter Angriff auf die Arbeiterklasse, der die Beschäftigten auf das Niveau der Ausbeutung zurückwerfen soll, das vor dem Aufbau der Gewerkschaften herrschte. Die Arbeiter zahlen nicht für Fehler des Managements – sie zahlen mit ihren Arbeitsplätzen und Löhnen für die Profite der Eigentümer.

Der „Solidaritätsbeitrag“: Lohnraub als Erpressung

Zum Stellenabbau gesellt sich ein „Solidaritätsbeitrag“, der einen temporären, „freiwilligen“ Gehaltsverzicht „über alle Hierarchieebenen hinweg“ umfassen soll. Er ziele darauf ab, die Personalkosten pro Kopf zu senken und so den „notwendigen Stellenabbau“ zu reduzieren. Ohne den Solidaritätsbeitrag, heißt es in der Konzernmitteilung unverblümt, „wäre der Stellenabbau nochmals größer ausgefallen“.

Das ist nackte Erpressung: Die Belegschaft soll sich mit Lohnkürzungen von weiteren Entlassungen freikaufen – das Messer an der Kehle. Die Behauptung des Konzerns, auch der Vorstand leiste einen „Solidaritätsbeitrag“, ist dabei blanker Hohn und reiner Zynismus. Vorstandschef Klaus Rosenfeld verdiente im Geschäftsjahr 2025 rund 6,1 Millionen Euro, der Gesamtvorstand 24 Millionen Euro – nach 15 Millionen im Jahr zuvor. Während die Beschäftigten „Solidarität“ üben sollen, bedient sich der Vorstand ungeniert – die Vorstandsgehälter steigen.

Mit dem Programm will der Konzern ab 2030 jährlich rund 300 Millionen Euro aus der Belegschaft herauspressen. Der Einmalaufwand für die Umsetzung des Abbauprogramms wird auf rund 480 Millionen Euro veranschlagt, der überwiegende Teil soll bereits 2026 als Restrukturierungsrückstellung verbucht werden.

Die Profitgier der Eigentümerfamilie

Die Familie Schaeffler – Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg F. W. Schaeffler – kontrolliert das Imperium über die Beteiligungsgesellschaft IHO Holding und hält rund 79 Prozent der Anteile an der börsennotierten Schaeffler AG. Entsprechend wandert der Löwenanteil der Dividenden direkt in die Taschen der Familie.

Für das Geschäftsjahr 2024 schüttete der Konzern bei einer Dividende von 0,25 Euro je Aktie insgesamt rund 230 bis 240 Millionen Euro aus, wovon rund 185 Millionen Euro an die Familie gingen. Für 2025 belief sich die Gesamtausschüttung im April 2026 auf rund 283,5 Millionen Euro; auf die Familie entfielen rund 224 Millionen Euro.

Der Reichtum der Eigentümer ist nichts als das unbezahlte, den Arbeitern abgepresste Produkt ihrer eigenen Arbeit. Während die Arbeiter um jeden Arbeitsplatz und jeden Euro bangen, ist für die Familie eines selbstverständlich: Die Dividende hat absoluten Vorrang – vor jedem Arbeitsplatz, vor jedem Werk, vor jedem Menschen.

Die NS-Geschichte: Arisierung, Zwangsarbeit, Kriegsprofit

Die Schaeffler AG präsentiert sich gern als „Familienunternehmen“. Doch ihr Fundament wurde im Nationalsozialismus gelegt – auf Raub, Zwangsarbeit und Krieg. Lange galt das Jahr 1946 – die offizielle Gründung der INA in Herzogenaurach – als „Stunde null“. Eine 2009 von der Eigentümerfamilie selbst in Auftrag gegebene Studie des Historikers Gregor Schöllgen legte die tiefe NS-Verstrickung offen.

Den Grundstein legte die „Arisierung“, die Ausplünderung jüdischen Eigentums: 1940 erwarb der Firmenmitbegründer Wilhelm Schaeffler im oberschlesischen Katscher, dem heutigen polnischen Kietrz, die Davistan AG, eine ehemals jüdische Textil- und Teppichfabrik, deren Eigentümer Ernst Frank vor den Nationalsozialisten hatte fliehen müssen. Schaeffler schnappte sich den hochverschuldeten Betrieb weit unter Wert von den verwaltenden Gläubigerbanken.

Wilhelm Schaeffler und sein Bruder Georg traten um 1938-1940 der NSDAP bei. Ab Sommer 1943 bündelten sie das boomende Wehrtechnikgeschäft in der neu gegründeten Wilhelm Schaeffler KG; die Werke produzierten Abwurfgeräte für die Luftwaffe, Brandbomben, Wehrmachtsuniformen und vor allem Nadellager für Panzer und Militärfahrzeuge.

Um die Kriegsproduktion aufrechtzuerhalten, beschäftigte Schaeffler in Katscher Hunderte Zwangsarbeiter, vor allem aus Frankreich, der Sowjetunion und Polen; die polnischen Arbeiter waren unter harten Bedingungen im örtlichen „Polenlager 92“ interniert.

Angesichts der heranrückenden Roten Armee evakuierte die Familie Anfang 1945 Maschinen und Material in 40 Eisenbahnwaggons nach Oberfranken. Wilhelm Schaeffler wurde nach Kriegsende an Polen ausgeliefert und wegen seiner wirtschaftlichen Aktivitäten im besetzten Gebiet zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Sein Bruder Georg legte mit den geretteten Maschinen in Herzogenaurach das Fundament des heutigen Weltkonzerns.

Diese Geschichte ist keine moralische Randnotiz. Sie enthüllt das wahre Wesen des Kapitals: Profite wurden und werden auf Kosten der Arbeiterklasse gemacht – notfalls über Leichen, mit Krieg und Zwangsarbeit.

Zurück in der Rüstungsindustrie: Schaeffler rüstet für den Krieg

Heute steckt Schaeffler erneut tief im Rüstungsgeschäft – und zwar inmitten der größten Aufrüstungswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Ende 2025 gründete der Konzern eine eigene Rüstungssparte „Defence & New Space“ und ernannte Mitte 2026 einen eigenen CEO für den Bereich. Konzernchef Rosenfeld will in diesem Sektor mittelfristig rund eine Milliarde Euro Umsatz mit Rüstung und Krieg machen.

Im Juni 2026 ging Schaeffler eine strategische Partnerschaft mit dem französischen Drohnenhersteller Delair ein, um eine Massenproduktion für militärische Kampf- und Abfangdrohnen aufzubauen – bis zu 100 Drohnen pro Tag sollen vom Band laufen.

Bereits Ende 2025 besiegelte der Konzern eine engere Zusammenarbeit mit dem Münchner KI-Rüstungsunternehmen Helsing, für das Schaeffler als Industrialisierungspartner die automatisierte Großserienfertigung von Wehrtechnik übernehmen soll. Zuvor beschränkte sich das Geschäft auf „Dual-Use“-Präzisionslager für Militärflugzeuge und Hubschrauber, unter anderem für die US-Armee.

Diese Rüstungskonversion ist Teil der deutschen Aufrüstung und der Eskalation des NATO-Krieges gegen Russland. Die NATO führt de facto Krieg gegen Russland und riskiert sehenden Auges eine nukleare Katastrophe; die deutsche Industrie stellt ihre zivilen Kapazitäten auf Kriegsproduktion um. Wie unter den Nazis wird die Auto- und Zulieferindustrie in die Rüstung eingespannt. Die Arbeiter sollen die Waffen für einen Krieg bauen, der gegen ihre eigenen Interessen gerichtet ist – und dessen Opfer sie sein werden. Die Arbeiterklasse steht in diesem Krieg auf keiner Seite. Die Antwort ist die internationale Einheit der Arbeiter Russlands, der Ukraine und Deutschlands gegen ihre eigenen herrschenden Klassen.

Die kriminelle Rolle der IG Metall

Die Reaktion der IG Metall auf den Angriff bei Schaeffler ist Verrat und schlicht kriminell. Mitten in den Tarifverhandlungen hat die Gewerkschaft hinter dem Rücken der Belegschaft und hinter verschlossenen Türen dem Stellenabbau und den Lohnkürzungen zugestimmt. Die Konzernmitteilung selbst deckt dies auf: Der „Solidaritätsbeitrag“ sei „noch mit den relevanten Gremien abzustimmen“ – die Vereinbarung wurde also bereits getroffen, bevor die Belegschaft überhaupt informiert wurde.

Nach außen spielt der Konzernbetriebsrat theatralisch Empörung vor. Dessen Vorsitzender Uli Schoepplein kritisiert, das Programm lasse „genau die Kreativität vermissen, die wir angesichts der Krise brauchen“, und fordert ein „belastbares industrielles Zukunftskonzept“. Doch er fordert nicht eine einzige Maßnahme, die den Abbau stoppen würde. Das ist die klassische Rolle der Betriebsratsbürokratie: Empörung heucheln, während man den Abbau mitverwaltet und durchsetzt.

Statt die Arbeiter international zu vereinen, predigt die IG Metall Nationalismus. Sie fordert Protektionismus und verteidigt den „Standort Deutschland“ – also die Profite der deutschen Konzerne im Handels- und Rüstungswettbewerb. Die IG Metall hat die Kriegskredite und das Aufrüstungsprogramm der Bundesregierung in Billionenhöhe unterstützt; ihr „Aktionstag“ war ein nationalistisches Spektakel für den Kriegskurs der Bundesregierung. Der Gewerkschaftsapparat ist finanziell von den Konzernen abhängig – über Mitgliederboni, Aufsichtsratsposten und Konzernbeiträge – und hat den Stellenabbau bei VW, Mercedes, Bosch, ZF und Schaeffler mitbeschlossen. Er kann nicht „von innen“ reformiert oder „nach links gedrängt“ werden.

Unabhängige Aktionskomitees jetzt

Der Angriff auf Schaeffler ist Teil eines konzertierten Angriffs auf die gesamte Metall- und Elektroindustrie – verbunden mit Aufrüstung, Sozialkürzungen und Kriegsvorbereitung. Die Warnstreiks der vergangenen Tage, an denen sich Zehntausende Metallarbeiter in mehr als 2.000 Betrieben beteiligten, zeigen die Kampfbereitschaft der Belegschaften. Doch die IG Metall kanalisiert und erstickt diese Wut systematisch, um einen Flächenbrand zu verhindern – im Interesse der Konzerne.

Deshalb müssen die Arbeiter jetzt unabhängige Aktionskomitees aufbauen – von den Arbeitern selbst gewählt, der Belegschaft gegenüber rechenschaftspflichtig und frei von hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionären und Betriebsratsbaronen. Diese Komitees müssen den Kampf führen für den Stopp aller Entlassungen und Werksschließungen, für die volle Kompensation der Inflation, gegen jede Lohnkürzung – auch gegen den sogenannten „Solidaritätsbeitrag“ – und gegen die Umstellung auf Kriegsproduktion.

Die Arbeiter haben die Macht, den Angriff zu stoppen. Was ihnen fehlt, ist eine Führung, die den Kampf nicht verrät – wie es die IG Metall tagtäglich tut. Alle, die ernsthaft ihre Arbeitsplätze und Löhne verteidigen wollen, sollten die World Socialist Web Site und die Sozialistische Gleichheitspartei kontaktieren.

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